
26.2.2011
Mitreißend, beeindruckend und berührend - anders lässt sich nicht beschreiben, was rund achtzig Schülerinnen und Schüler beim Tanzprojekt "Piraten, Menschen und andere Tiere" auf die Hinterbühne des Großen Hauses im Theater Freiburg brachten. Dabei sind die Akteure dieses ungewöhnlichen Tanzprojekts nicht unbedingt ambitionierte Theaterfans, sondern Fünft-, Sechst- und Siebtklässler vieler Nationalitäten aus de r Freiburger Hebelschule, der Vigeliusschule und der Hans-Jacob-Realschule. Eine wilde Bande, die in den vergangenen Wochen während der regulären Schulzeit unter der Leitung von Teresa Rotemberg und Graham Smith ein Stück samt Kulissen und Requisiten erarbeiteten, das nur ganz selten an eine Schulaufführung erinnert - und das liegt nicht nur an den professionellen Bühnenbedingungen.
Da herrscht von Anfang an ein kunterbuntes, aber exakt choreographiertes Gewusel: Zu harten Elektro-Beats friert man in coolen Posen ein, seltsame Außerirdische mit grotesken Masken mischen sich unter rosarote Luftballonmädchen, Stelzenläufer treffen auf Vogelwesen, Quallen schweben mit Hilfe großer Plastikplanen durch blaue Spots und Jedi-Ritter in Pappteller-Rüstungen lassen ihre Laserschwerter zischen.
Souverän und sehr konzentriert zaubern die Vigeliusschüler ihre Traum- und Zirkusszenen auf die Bühne, dazwischen gibt es erstaunliche Rhythmuseinlagen mit Beatbox und Breakdance. Eine bewegte Sinnesreise zwischen Karneval und Schulhof, von Teresa Rotemberg mit einfachen, aber stimmungsvollen Bildern in Szene gesetzt. Da wirkt nichts andressiert, nichts übergestülpt, da zeigt jeder einzelne Akteur soviel Engagement und Spielfreude, dass der Funke sofort auf das junge Premierenpublikum überspringt.
Die Hochstimmung in den Zuschauerreihen bricht auch beim handwerklich sehr gut gemachten Film der Hans-Jacob- Realschule nicht ein, der sich unter dem Motto "Ich will weg" mit Wünschen und Fragen aus dem Teeniealltag beschäftigt. Es folgt ein sehr originell animierter Lego- Piratenfilm, dann gibt es mit den 43 Akteuren aus der Hebelschule großen Theaterzauber: Die Nebelmaschine läuft auf Hochtouren, wenn im Gegenlicht ganz langsam ein Piratenschiff auf der Senkbühne erscheint. Ein filmreifer Auftritt à la "Fluch der Karibik", der fast eine Überfülle an kreativen Ideen einläutet: Da gibt es live gesungene Songs, großartige Gruppenchoreographien (Graham Smith, Hugo Marmelada), pittoreske Seeschlachten auf der Drehbühne und dynamische Kletterparcours. Das hat eine ungeheure Energie, etwas Wildes und Anarchisches, dessen Sehnsuchtpotential auch die Videosequenz deutlich macht: Helden wollen sie sein, in der Gruppe geborgen, aber frei.
Für dieses Projekt kann man sich eine Fortsetzung nur wünschen: Haben doch alle Beteiligten nicht nur hart gearbeitet, sondern offenbar auch viel gelernt. Gerade der Tanz bietet hier ein nicht zu überschätzendes Potential.
/ Marion Klötzer