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22.11.2006 / Die Compagnie "PVC" tanzt in SchwetzingenSendepause im Glitzerwunderland

Die Compagnie "PVC" tanzt in Schwetzingen

"PVC" nennt sich die neue Tanztheater-Kooperation der Städtischen Bühnen von Freiburg und Heidelberg, die seit dieser Saison unter der künstlerischen Leitung von Joachim Schlömer steht. Als Folge der Theaterschließung in Heidelberg ist die erste Produktion von "PVC" im Schwetzinger Rokokotheater zu sehen.
Wie eine leichte Geburt beginnt das neue Stück "Louder! Can you hear me" der Choreografin Eun-Me Ahn: Durch die schlitzartigen Öffnungen der Gummiwände ringsum zwängen sich immer wieder ein Kopf, ein Bein, ein Arm, um wieder hinter die Wand zu verschwinden. Halbnackt kommen dann die drei Tänzerinnen und drei Tänzer heraus, poppiges Pink und Neongrün umhüllt den Rest des Körpers.

Im Anfang ist die Stille. Lautlos, ohne Musik kommt dieser Beginn aus und steigert dadurch die Spannung der ruhigen, konzentrierten Bewegungsabläufe ungemein, bis der Rhythmus kommt. Yong-Gyu Jangs Minimal-Music zieht den Betrachter in Bann - zunächst mit stoisch repetierten Schlagzeugrhythmen. Dazu bewegen sich die Tänzer mit einer Körpersprache, die archaisch-rituell und modern zugleich ist. Mit katzengleicher Geschmeidigkeit und lang gestreckten Beinen gehen sie immer wieder auf allen Vieren über die Bühne, im Vorwärts- und im Rückwärtsgang. Sprünge, Würfe und Hebefiguren geben dem eine ruhige Intensität, die durch das bläuliche Schummerlicht und die mitreißend pulsierenden Rhythmen eine dunkle Gespanntheit gewinnt.

Dem folgt ein lichter, nahezu elysischer Teil, nun mit weiß beschürzten Tänzern, die zu lieblichen Gitarrenloops spielerisch heitere Choreografien ausführen. Kommunikationsschwierigkeiten behandelt der Abend. Diese aber werden so unbeschwert gelöst - hier mit verspieltem Humor, mit erotischer Koketterie -, dass die Probleme sich immer wieder verflüchtigen. Neben fesselnd getanzten Ensembleszenen tritt auch die Choreografin Eun-Me Ahn selbst in fesselnden Soli auf, wobei sie minimalistische Bewegungsabläufe in eine gestenreiche Sprache überträgt. Das Publikum zeigte Begeisterung über diese gelungene Premiere.

/ köhl