
Extrem-Tanz zu Gott und zurück
Von Graham Smith
Premiere am 24.2.2007
Mit Inés Hernandez, Florian Kleine, Tommy Noonan und Marco Volta
Die rituelle Energie der Verausgabung Zerschmettere deine Form und deinen Körper, spucke aus Ohren und Augen. Löse
den Verstand auf, streife den Geist ab, sei leer und seelenlos und die zehntausend Dinge werden eins nach dem anderen zur
Wurzel zurückkehren. (Laotse, Das Buch von der großen Weisheit)
findet im Tanz eine Form, mit der er zur Möglichkeit einer Überschreitung von Grenzen wird, hin zum vorher Unzugänglichen. Würden die Pforten der Wahrnehmung gereinigt, erschiene den Menschen alles, wie es ist: unendlich. (William Blake)
In seinem Ursprung ist der Tanz Kraft und Energie für eine Grenzerfahrung des Körpers und des Geistes und hat seine Bedeutung in der Bewegung als Körperausdruck, ohne einer Übersetzung zu bedürfen.Oh Glück! Glück! Ich habe die Geburt des Lebens die Anfänge der Bewegung gesehen. Das Blut pocht zum Zerspringen in meinen Adern. Ich möchte fliegen, schwimmen, bellen, blöken, brüllen, hätte gern Flügel, einen Rückenschild, eine Rinde, möchte Rauch schnauben, einen Rüssel tragen, meinen Körper winden und in alles eingehen, mich in Gerüchen verströmen , mich entfalten wie die Pflanzen, fließen wie Wasser, schwingen wie der Ton, schimmern wie das Licht, jede Form annehmen, in jedes Atom eindringen, mich in den Grund der Materie senken ? die Materie sein! (Gustav Flaubert, Die Versuchung des heiligen Antonius)
Der Körper wird in The Body of Mr. Smith zum Medium der Erfahrung des Absoluten, er trägt Gott entgegen In mir ganz allein liegt das Geheimnis, das Verborgene zu wahren, denn sobald ich, dank dem unsichtbaren Sprechen als solchem, einen Zeugen in mir habe, den die anderen nicht sehen, und der folglich zugleich anders ist als ich und mir innerlich näher als ich selbst, sobald ich eine geheime Beziehung mit mir bewahren und nicht alles sagen kann, sobald es Geheimnis und einen geheimen Zeugen in mir gibt, gibt es das, was ich Gott nenne. (Derrida, Den Tod geben)
und dann wieder zurück in die begrenzte Welt. Diese Welt scheint nun viel weniger Beschränkung und Hindernis zu sein als vorher und der andere Mensch hat darin seine Bedeutung und seinen Raum zurück gewonnen. Die Idee-des-Unendlichen-in-uns hat seine Konkretheit im anderen Menschen der uns als absolut Anderes begegnet und uns in die Verantwortung stellt. Darin bedeutet Gott. Die Beziehung zu Gott kommt mir in der Beziehung zum anderen Menschen zu. Für-den-anderen-Menschen und dadurch Zu-Gott! In dieser Weise denkt ein Denken, das mehr denkt, als es denkt: Forderung und Verantwortung unabweisbar und dringend. ?Konkreter Ursprung oder Ursituation, in der das Unendliche sich in mich einlässt, in der die Idee des Unendlichen den Geist beherrscht und das Wort Gott sich einem auf die Zunge legt?. (Emmanuel Lévinas, Wenn Gott ins Denken einfällt)
Buhne und Kostüme: Nadia Fistarol
Musik: Donato Wharton
Licht: Andreas Grüter
Dramaturgie: Judith Schneiberg