Stempel

Tanz-Manga zwischen Mensch und Puppe
Von Graham Smith

Uraufführung am 13.3.2008

Mit Murielle Elizeon, Dorothee Metz, Tommy Noonan, Sebastian Rowinsky und Vanessa Valk

SOS - rettet Eure Seelen. Denn Sci-Fi liegt nicht mehr in der düsteren Zukunft, Sci-Fi ist Jetzt. Erst als der Mensch seine Kopie erblickt - die Überwindung seines Körpers in der Puppe - erkennt er wieder ein Stück von sich selbst. SOS ist ein wuchtiger und in einigen Momenten sehr poetischer Tanz mit Puppen um die Zurückgewinnung der Zukunft.

Don't speak German? Watch a video instead...

Interview mit Graham Smith - veröffentlicht in der BZ-Beilage des Theater Freiburg

Graham Smith ist Choreograph, Tänzer und Leitungsmitglied der Tanzkompanie pvc. In der letzten Spielzeit zeigte er u.a. sein Stück The Body of M. Smith, bei dem es um die existentielle Erfahrung des eigenen Körpers und des Geistes ging.

BZ: M.Smith, was ist das Thema Deines neuesten Stückes?

Smith: SOS führt das Thema der Identität und deren Grenzen, um das es mir auch schon in The Body of M.Smith ging, weiter. Diesmal geht es weniger um die metaphysischen Diemensionen des Ichs, sondern um die realen, gesellschaftlichen. Der Staat greift so weit in die Identität des Einzelnen ein, dass sie auf dem Spiel steht. Wie kann man sich dem widersetzen? Wie kann man seine Identität retten, wenn die Machtstruktur den Einzelnen in seiner Integrität verletzt?

BZ: Der Titel SOS hört sich nach einem Hilfeschrei an.

Smith: Ja, genauso ist es auch gemeint. Das Stück richtet sich besonders an die jungen Leute. Ich denke, dass gerade die junge Generation mit sehr dunklen Zukunftsvisionen umgehen muss, nach denen unserem Planeten der ökologische und soziale Untergang droht. Damit ist einerseits die Angst vor völligem Kontrollverlust des Einzelnen verbunden und andererseits ein Übermaß an Kontrolleinsätzen durch staatliche Einrichtungen. Ich will der Wucht der damit verbundenen Gedanken und €ngste Ausdruck verleihen.

BZ: Du arbeitest in dem Stück mit Tänzern und Puppenspielern. Wie geht das zusammen?

Smith: Die Arbeit mit den Puppen und die Möglichkeiten der Verbindung mit Tanz fasziniert mich wirklich enorm. Choreographie und Tanz funktionieren im Umgang mit Raum und Zeit ganz ähnlich. Andererseits ist es erstaunlich, wie präzise man mit Puppen arbeiten kann und welche Aura Puppen bei ganz alltäglichen Bewegungen haben. Puppen duplizieren den Menschen. Man nimmt als Zuschauer einen Perspektivwechsel vor, durch den ein Blick in die Seele möglich wird. Man sieht, warum der Mensch ein Mensch ist.

BZ: Warum führt das Stück im Untertitel den Begriff Manga?

Smith: Wir orientieren uns ästhetisch tatsächlich am Manga, der japanischen Form des Comic bzw. des Anime. Es gibt schon seit dem 2. Weltkrieg eine Tradition von Manga-Zeichnern, die den Manga als Ausdrucksmittel für die großen apokalyptischen Visionen einsetzen. Das Tanzstück übernimmt vom Manga die Schnelligkeit, Expressivität und die phantastische Überzeichung von Figuren und Zuständen.


Choreographie: Graham Smith
Bühne: Nadia Fistarol
Kostüme: Franziska Jacobsen
Musik: Thomas Jeker
Licht: Andreas Grüter
Dramaturgie: Inga Schonlau

Tänzer: Murielle Elizéon, Su-Mi Jang, Tommy Noonan, Sebastian Rowinsky

Puppenspielerinnen: Dorothee Metz, Vanessa Valk

Foto
Foto
Foto
Foto
Foto
Foto
Foto
Foto
Foto